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Klinische Studien in Bayern
Das neue bayerische Netzwerk
im Interview
Bayern erleichtert die klinische Erprobung von neuen pharmazeutischen Wirkstoffen: Das Bayerische Wirtschaftsministerium hat Mitte Juli das ‚BayernNetz’ als Netzwerk zur Durchführung klinischer Studien initiiert. Die Kooperation der fünf bayerischen Unikliniken wird vom Studienzentrum am Klinikum rechts der Isar der TU München koordiniert. „Die klinische Erprobung stellt noch immer einen Engpass für die Entwicklung der forschenden Pharmaindustrie und der Biotechnologiefirmen dar. ‚BayernNetz’ erleichtert gerade kleineren Unternehmen den Zugang zu klinischen Studien im Freistaat und stellt standardisierte Verfahren sowie Qualitätssicherungen für die klinische Forschung bereit“, erklärt dazu Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller. Auch der Wissenschaft selbst werde mit ‚BayernNetz’ die notwendige Infrastruktur für eigene Entwicklungs- und Forschungsprojekte angeboten. Müller: „Das Netzwerk wird die Attraktivität des Studienstandorts Bayern für die Industrie erhöhen und die Drittmitteleinwerbung der beteiligten Partner steigern.“
Der bayerische Biotechnologie Cluster hat als Katalysator und durch eigene Vorarbeiten die Gründung des nun bayernweiten Netzes für klinische Studien angestoßen. Wir befragten den Leiter des Netzwerkes, Rainer Bredenkamp (oben im Bild links), zu den zukünftigen Aufgaben: BioM: Bei der vorsommerlichen Flut von „Innovationsmeldungen“ aus der Staatskanzlei ist vielleicht die besonders interessante der Bildung eines bayernweiten Netzwerkes aller Universitätskliniken zur besseren Koordination von klinischen Studien etwas untergegangen. Das Cluster Biotechnologie begrüßt die nun bayernweite Vernetzung, um im globalen Gesundheitsmarkt besser wahrgenommen zu werden. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Bredenkamp: Die bayernweite Vernetzung der fünf forschenden Medizinischen Fakultäten sehen wir als logische Entwicklung an, die bestehenden Kooperationen mit den Partnern des Biotech Clusters und der "Big-Pharma"-Industrie weiter zu entwickeln und auszuweiten. BioM: Wo sehen Sie die größten Schwierigkeiten der erfolgreichen bayernweiten Netzwerkarbeit – und welche Chancen bietet das BayernNetz im globalen Wettbewerb um die Pharmazie der Zukunft? Bredenkamp: Die Herausforderungen liegen in einer Verbesserung der Rekrutierung von Patientinnen und Patienten für die Teilnahme an klinischen Studien und in der Sicherstellung der Qualitätsanforderungen an die Durchführung von Studien. Wenn es gelingt, diese beiden im Wettbewerb ausschlaggebenden Kriterien zu realisieren, bestehen exzellente Standortvorteile. BioM: Wie werden Ihre nächsten Schwerpunkte aussehen? Konzentrieren Sie sich vorrangig auf die Ärzte oder auf die Patienten und Teilnehmer an klinischen Studien? Bredenkamp: Die nächsten Schwerpunkte werden erstens die Intensivierung der o. g. Aspekte, zweitens die Weiterentwicklung des Studiennetzes durch Ausweitung der Indikationsgebiete über die Hämato-Onkologie hinaus zu anderen, relevanten Fachgebieten und drittens die Gewinnung weiterer Netzwerkpartner sein. BioM: Aus Ihrer Erfahrung mit der Koordinierungsstelle für klinische Studien (KKS) und den Erfahrungen anderer KKS-Stellen im Lande: Hat sich durch die Einrichtung der KKS schon das Interesse der pharmazeutischen Industrie an den Studienzentren deutlich verbessert oder muss noch viel stärker auch das Miteinander mit dieser Industrie gestaltet werden? Bredenkamp: Das Bayerische Studiennetz sieht sich als Dienstleister für den Biotech-Cluster und für die Großindustrie. Mit diesen wird aktiv der Kontakt gesucht. Auch aus diesem Grund ist ein Beirat mit Vertretern aus diesen Wirtschaftsbereichen gegründet worden - unser Beirat wird sein Augenmerk auf die Anforderungen der Gesundheitsindustrie an das Bayerische Studiennetz legen. BioM: Anders gefragt: liegt Deutschland derzeit überhaupt im Fokus der Arzneimittelentwickler, oder müssen wir da erst wieder hingelangen? Bredenkamp: Wenn Deutschland nicht im Fokus liegen würde, wäre das Bayerische Studiennetz auch nicht gegründet worden. Konzentrieren wird sich das BayernNetz auf den Bereich der frühen Arzneimittel-Entwicklung (Phase I und II). BioM: Das Schlagwort von der einstmaligen deutschen „Apotheke der Welt“: Ist dies für Sie Ansporn, da einmal wieder hinzukommen – oder doch eher Belastung, weil das eben auch ganz andere Zeiten waren? Bredenkamp: Es wird unserer Ansicht nach unter den heutigen globalen Bedingungen kein einzelnes Land mehr den Titel "Apotheke der Welt" führen - vielmehr wird es für uns darum gehen, in dem 'Konzert' der Arzneimittelforschung- und entwicklung die "erste Geige" zu spielen. BioM: Vielen Dank und gutes Gelingen! Ausgangspunkt des ‚BayernNetz’ ist zunächst die Hämatologie und Onkologie. Darüber hinaus sollen sukzessive weitere Indikationsgebiete aufgenommen werden. Das ‚BayernNetz’ soll in Zukunft um weitere Partner erweitert werden. Aufgabe der Geschäftstelle des Studiennetzes ist die Kommunikation zwischen den Partnern sowie die Unterstützung bei der Vorbereitung, Koordinierung und Durchführung von Studienprojekten im Studiennetz. Auch Themen wie Qualitätssicherung (SOP’s) und Sicherstellung des Monitoring, Unterstützung bei Anträgen (Behörden, Ethik) und Verträgen (Industrie, CRO’s), Pflege von Industriekontakten, Aufbau und Koordination des Datenmanagements bzw. der IT-Struktur, Aufbau und Pflege weiterer Kooperationen, Öffentlichkeitsarbeit und Fort- und Weiterbildung stehen bei der Arbeit von ‚BayernNetz’ auf der Agenda. Weiterführende Informationen sind im Internet unter http://www.bayernnetz.com abrufbar. Kontakt: Rainer Bredenkamp (im Bild oben links) Geschäftsführer Bayerisches Studiennetz c/o Münchner Studienzentrum Klinikum rechts der Isar TU-München Tel.: 089/4140-6321; Fax: 089/4140-6479 E-Mail: r.bredenkamp@lrz.tu-muenchen.de Dr. med. Jörg H. Reichel (im Bild oben rechts) Koordinator Bayerisches Studiennetz c/o Münchener Studienzentrum am Klinikum rechts der Isar der TUM Tel.: 089-4140-6321 E-Mail: joerg.reichel@bayernnetz.com 16.09.2008 |
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